in ostdeutscher tradition gehört(e) es sich, ich denke es war bei mir so um 1993, zum eintritt ins erwachsenenalter die allseits bekannte jugendweihe durchzuführen. es war, bis auf die zeremonielle durchführung nicht das schlimmste ereignis. denn man konnte danach mit „erlaubnis“ saufen, rauchen, wobei ich das in dieser zeit noch nicht tat und bekam allerhand geldgeschenke. leider, in anbetracht der beschissenen zeit- die neunziger, sah man extrem unlässig aus, aber das machte nix, denn es sahen ja zum glück alle irgendwie scheiße aus.
irgendwie gehörte es auch dazu und ich frage mich bis heute warum eigentlich, zur tanzstunde zu gehen. ich glaube mich zu erinnern, dass ich wenig mitspracherecht bei dieser entscheidung hatte und schwups war ich, wie auch der rest meines jahrgangs, angemeldet. wir waren alle sehr beklemmt und standen wie ein häufchen elend vor dem sehr engagierten tanzlehrer und seiner partnerin.
warum wir uns nicht auflehnten, wo wir doch so großmäulige, rebellische jugendliche waren die sich von niemanden etwas sagen ließen, ist mir im nachhinein nicht klar. wir wollten die welt erobern und alles ausprobieren außer und das war gewiss im vergammelten klubraum sich im wienerwalzerschritt holzbeinähnlichen bewegungen hinzugeben. brav suchten wir uns „geignete“ tanzpartnerInnen und folgten den anweisungen zum walzer, foxtrott und discofox. natürlich folgte diese wahl einer gewissen coolnesshierarchie und auch genau deshalb war ich etwas verwundert über meine „bessere hälfte“, denn ich stand zwar nicht ganz unten, aber auch nicht ganz oben, also annehmbares mittelfeld.
es war mühsam und zugleich unangenehm, aber wir saßen schließlich alle in einem boot dachte ich noch zu diesem zeitpunkt und was kann einem schlimmeres passieren als: mein tanzpartner- der coole typ in den ich verknallt war!
einerseits erfreut, aber andererseits rasendes herzklopfen, schweißausbrüche, die diese unerträgliche nähe, vorallem aber der extrem peinliche anlass erzeugte. wer wollte sich schon bei der tanzstunde kennen- und lieben lernen? und ging sowas überhaupt? anscheinend schon, denn auch bei den weiteren terminen versuchten wir uns mehr taumelnd als schwebend übers parkett, so dass ich im zuge der zeit, ohne weiter drüber nachzudenken diese veranstaltung als sehr angenehm zu empfinden begann. wir witzelten, traten uns gegenseitig auf die füße und wechselten sogar in der schule ab und zu ein paar worte. der tanzstundenabschlussball rückte in absehbare nähe und ich hatte ein enorm gutes gefühl. ich und er, er der mich jetzt besser kennengelernt hatte und die hoffnung darauf, dass nach dieser veranstaltung unser band des tanzes sich in eine beginnende romantische liebesbeziehung verwandeln würde.
es folgte der tag der generalprobe- ansage, einlaufen der paare und der eröffnungstanz. man hatte sich soweit zusammengerissen, dass man das gefühl hatte sich nicht endlos vor der gesamten elternschaft, nebst dazugehöriger verwandtschaft zu blamieren. ich hatte mir ein hübsches kleid besorgt, auch die „frisur“ wurde aufgebessert auf anraten meiner mutter (ich habe im laufe der zeit gelernt nicht mehr auf die zu hören) und gerade als ich ganz zuversichtlich den raum verlassen wollte, kam er um mir zu sagen, dass er sich für den abschlussball für jemanden anderes entschieden hätte und das dass alles nur ein riesen missverständnis gewesen sei und ich sollte jetzt nicht fragen warum und ihn nicht versuchen zu überreden. wir würden einfach tauschen. mit tränen in den augen versuchte ich irgendwie herr meiner gefühle zu werden, ganz zitterig fragte ich nur noch wer mein neuer tanzpartner sei und als darauffolgend dieser herangezogen wurde, rannte ich aus dem saal. ich war am boden zerstört und konnte mich nicht mehr beruhigen, denn auf meine ansage, dass ich auf keinen fall diesen blöden ball mitmachen werde, wurde ich von meinen eltern auf die entstandenen kosten, sowie auf die blamage vor allen weiteren familienmitgliedern verwiesen. ich beharrte auf meiner entscheidung und dass ich diesen scheiß ja eh nicht wollte und ich weiß nicht wie und warum, aber irgendwie gibt es jetzt in einem familienalbum dieses bescheuerte foto von mir und dem damals blödesten typen der schule vom tanzstundenabschlussball.